22/06/11

Der Architecture Migration Demonstrator von Continental zeigt mithilfe heutiger Technologien die Entwicklung eines Fahrzeugautomatisierungssystems mit Basisfunktionen. Das System könnte zeitnah zur Serienreife weiterentwickelt werden.
Frankfurt am Main / Borås (Schweden), den 21. Juni 2011. Beim heutigen Final Event des EU-geförderten Forschungsprojekts HAVEit präsentiert der internationale Automobilzulieferer Continental einen Architecture Migration Demonstrator – ein Fahrzeug, das mit serienreifen Technologien ausgestattet hochautomatisiert fahren kann. Der Demonstrator kann mithilfe eines Copiloten-Systems automatisiert sowohl die Geschwindigkeit oder den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug wie auch die Spur halten und überwacht dabei mithilfe einer Kamera sorgfältig die Aufmerksamkeit des Fahrers. „Die im Rahmen des HAVEit-Projekts entwickelte Software könnte nun zeitnah, also innerhalb von circa fünf Jahren, zu einem serienreifen, vollintegrierten System mit ersten automatisierten Fahrfunktionen weiterentwickelt werden“, sagte Holger Zeng, HAVEit Projektmanager bei Continental.
Fokus auf Architektur und Umsetzung
Bei der Entwicklung des Architecture Migration Demonstrators standen die gemeinsame HAVEit-Systemarchitektur und deren seriennahe Realisierung im Vordergrund. Zunächst wurde die HAVEit-Systemarchitektur in Top-Down-Richtung detailliert und konkretisiert, anschließend folgte die Implementierung. Dafür wurden die AUTOSAR-Methodologie und das Konfigurationssystem CESSAR verwendet. Das Automotive-Steuergerät Chassis & Safety Controller (CSC) von Continental fungiert als universeller Basiscomputer, auf dem alle Teilfunktionen des HAVEit-Systems programmiert wurden. Mehrere dieser CSCs sind mit gängigen CAN-Bussen vernetzt und erlauben so hochautomatisiertes Fahren mit kostengünstiger, verfügbarer Technik. Auch in allen anderen HAVEit Demonstrationsfahrzeugen ist der CSC von Continental als Bestandteil des HAVEit-Systems verbaut, sodass auch dort ein Stück Serientechnologie zur Anwendung kommt. Weitere Komponenten von Continental sind der Long-Range-Radarsensor ARS 300 zur Objekterkennung, das elektronisch ansteuerbare Bremssystem sowie die elektrische Lenkung (EPS, Electric Power Steering). Zudem ist das Fahrzeug mit zwei Kameras von Continental ausgestattet: Eine der beiden behält den Bereich bis 60 Meter vor dem Fahrzeug im Blick und erkennt die Fahrspuren, die andere beobachtet den Fahrer.
Mittels Datenfusion werden die Sensordaten ausgewertet, wodurch das Copiloten-System die Automatisierungsfunktionen realisieren kann. Anhand einer autobahnähnlichen Verkehrssituation werden diese grundlegenden Automatisierungsfunktionen beim heutigen HAVEit Final Event demonstriert: Im teilautomatisierten Modus in Längsrichtung fungiert das System ähnlich wie ein Abstandsregeltempomat; im hochautomatisierten Modus ist zusätzlich die Spurhaltung innerhalb einer Fahrspur verfügbar. Dabei beobachtet die Onboard-Kamera den Fahrer während des hochautomatisierten Fahrens ständig: Sie erfasst unter anderem die Blickrichtung und den Lidschlag des Fahrers – ist dieser unaufmerksam, muss er das Fahren wieder selbst übernehmen. Ebenso übergibt das System die Kontrolle zurück an den Fahrer, wenn die Voraussetzungen fehlen, um hochautomatisiert fahren zu können, zum Beispiel bei nicht erkennbaren Fahrbahnmarkierungen oder zu engen Kurven. Sollte der Fahrer nicht reagieren, wird die Geschwindigkeit moderat bis zum Stillstand verringert.
„Komplexere Grenzszenarien wie Spurwechsel, Hindernisumfahrung oder Notbremsen wurden im Rahmen dieses Versuchsfahrzeugs zwar noch nicht realisiert, ihre Umsetzung ist jedoch mithilfe der entwickelten Software und einer erweiterten Umfelderkennung in Zukunft technisch möglich, wie auch einige der anderen HAVEit-Fahrzeuge bereits zeigen. Wir beweisen mit diesem Auto, dass wir die Lücke zwischen Forschung und Produktentwicklung kleiner gemacht haben als je zuvor“, so Zeng weiter. Für die Zukunft bietet die Verwendung der neuesten Generation der Chassis Domain Control Unit (CDCU) als universeller Basiscomputer anstelle des CSC das Potenzial, die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs noch zu steigern oder alternativ den Aufwand und die Kosten zu senken. Das Forschungsfahrzeug wurde bei Continental in Regensburg mit Unterstützung der HAVEit-Projektpartner entwickelt.