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PIRELLI FEIERT 110-JAHRE ERFOLG IM MOTORSPORT

10/03/17

„Wir sind als Erste in Paris angekommen und mussten bis dahin nur zwei Räder wechseln”, telegrafierte Prinz Scipione Borghese im August 1907 aus der französischen Hauptstadt in die Heimat. Wenige Stunden zuvor hatte er mit großem Vorsprung die Rallye Peking – Paris gewonnen. Das Siegerfahrzeug: ein mit Pirelli Reifen ausgestatteter weißer Itala 35/45HP. Hinter ihnen lagen 16.000 zermürbende Kilometer durch Wüsten und dichte Wälder, über reißende Flüsse und schnelle Schotterstraßen sowie über einsturzgefährdete Brücken. Doch all diese Herausforderungen konnten dem Auto und seinen Reifen nichts anhaben.


Dieser Erfolg markierte vor 110 Jahren den Einstieg von Pirelli in den Motorsport. Das Jubiläum feierte der Konzern Anfang Februar im Nationalen Automobilmuseum in Turin. Auf dem 19.000 Quadratmeter großen Ausstellungsgelände werden über 200 historische Fahrzeuge von 85 verschiedenen Marken aufwändig in Szene gesetzt. Das älteste Exponat stammt aus dem Jahr 1769. In diesem Museum steht auch der legendäre Itala, mit dem Prinz Borghese die Rallye Peking – Paris gewann. Vom Itala bis zu den neuen breiteren Formel 1-Reifen für die Saison 2017 reicht das Spektrum der Schätze, die im Turiner Museum die 110-jährige Motorsport-Geschichte von Pirelli nachzeichnen.


Die frühen Jahre
1913 dominierten zwei mit Pirelli Reifen ausgestattete Peugeot den Grand Prix des Automobilclubs de France in Paris. Im selben Jahr lag Pirelli auch an der Spitze der achten Targa Florio. Der Sieger Felice Nazzaro fuhr ein Auto, das seinen Namen trug. Weitere Erfolge kamen hinzu, so beim Grand Prix von Frankreich in Le Mans, beim Rennen in Mont Ventoux sowie beim Coupe de l’Auto in Boulogne-sur-Mer.


Trotz aller Anfangserfolge: Die goldenen Jahre von Pirelli im Rennsport begannen erst in den 1920er Jahren, genauer: 1922 beim ersten Grand Prix in Monza. Auf dem neuen Circuit gewann Pietro Bordino vor Felice Nazzaro. Beide Piloten setzten auf das gleiche Fahrzeug-Modell, den Fiat 804, sowie auf den gleichen Reifen, den Pirelli Superflex Cord. 1924 besiegelten Pirelli und Alfa Romeo ihre Zusammenarbeit. Damit begann eine Ära, in der die beiden Unternehmen die Grand-Prix-Rennen dominierten. Der Alfa Romeo P2 schien nahezu unbesiegbar zu sein. Was nicht zuletzt am besonderen Talent von Fahrern wie Giuseppe Campari und Antonio Ascari lag. Das Rennen von 1925 in Monza war zugleich auch der erste Weltmeisterschafts-Grand Prix. Es siegte Gastone Brilli-Peri im Alfa Romeo, natürlich auf Pirelli Superflex Cord-Reifen.


Die Reifephase
Die 1930er Jahre gehörten Tazio Nuvolari. Er war bereits ein Jahrzehnt zuvor auf Bianchi Motorrädern ein ausgezeichneter Botschafter für Pirelli Reifen gewesen, bevor ihm Brilli-Peri einen Alfa Romeo 6C 1750 Werkswagen vermachte. Mit ihm gelang Nuvolari 1930 mit unkonventionellen Mitteln ein glanzvoller Sieg bei der Mille Miglia. So schaltete er zum Beispiel in der Nähe des Gardasees die Scheinwerfer seines Wagens aus, um im Schutz der Dunkelheit auf seinen Teamkameraden Achille Varzi aufzuschließen und ihn zu überholen. Nuvolari gewann auch das Rennen in Monza, wobei er die legendären Pirelli Stella Bianca fuhr. Auch im Motorradsport setzte Pirelli seine Erfolgsserie fort. Der Pirelli Monocord fuhr in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre Sieg auf Sieg ein, unter anderem mit Piero Taruffi.















Der fünffache Formel 1-Weltmeister
Juan Manuel Fangio in den 1950er Jahren.


Die Weihen

In den 1950er Jahren wurde die Formel 1 gegründet. Die ersten vier Weltmeisterschaften dominierten Pirelli Reifen. 1950 siegte Giuseppe Farina im Alfa Romeo mit dem Rennreifen Stella Bianca, der modifiziert worden war und daraufhin Stelvio hieß. In 1951 holte sich Juan Manuel Fangio seinen ersten WM-Titel mit Alfa Romeo und Pirelli Cinturato Reifen. In den beiden nächsten Jahren gewann Alberto Ascari für Ferrari die Weltmeisterschaft. In jener Zeit begann Pirelli, sich stärker auf Rennautos zu konzentrieren, die größere Ähnlichkeit mit den Serienfahrzeugen für den Straßenverkehr hatten. Für diese Modelle entwickelten Ingenieure UHP-Reifen mit einem breiten Einsatzspektrum.


1954 siegten Froilan Gonzalez und Maurice Trintignant in Le Mans mit einem Ferrari 375MM auf Pirelli Reifen. Drei Jahre später gewannen Fangio und Jean Behra im Maserati 450S das 12-Stunden-Rennen von Sebring mit Reifen des Premium-Herstellers. Ende jenes Jahres sicherte sich der argentinische Champion seinen fünften Formel 1-Titel. Diesmal in einem Pirelli bereiften Maserati. Mit diesem Erfolg endete die erste Ära des Reifenherstellers in der Formel 1.















Der Lancia Stratos HF war das erste ausschließlich
für den Rallye-Einsatz konzipierte Fahrzeug,
hier bei einem Lauf 1974.

Neuland
Der Leitgedanke von Pirelli, den Motorsport als ultimatives Forschungs- und Entwicklungslabor für Straßenfahrzeuge zu nutzen, fand in den 70er Jahren mit dem Einstieg in den Rallye-Sport ein neues Praxisfeld. In den Folgejahren errangen der P7, der erste Niederquerschnitts-Reifen von Pirelli, und später der P Zero hunderte nationale und internationale Erfolge bis hin zur Weltmeisterschaft.
Zwischen der Rallye Polen 1973, die Achim Warmbold und Jean Todt im Fiat 124 Abarth gewannen, bis zum Weltmeistertitel 2003 von Petter Solberg und Phil Mills im Subaru Impreza erstreckt sich eine lange Erfolgsgeschichte von Pirelli. Im Jahr 2008 verlängerte ein weiterer Titel des neunfachen Weltmeisters Sebastien Loeb für Citroen die Erfolgsstory des Reifenherstellers. Hinzu kommen zahlreiche Siege mit italienischen Rallyefahrern bei nationalen und internationalen Wettbewerben.


Der Motorradmarkt durchlief in den 1970er und 1980er Jahren gewaltige Veränderungen. Das Engagement von Pirelli im Motorrad-Rennsport verlagerte sich in Richtung Motocross, Enduro und Cross-Country. Die Zahl der Teams und Fahrer dieser Segmente, die auf Pirelli Reifen setzen, wuchs rasch an.















Alessandro Zanardi beim Porsche Cup 1995.

In den 1980er-Jahren kehrte Pirelli in die Formel 1 zurück und konnte einige wichtige Erfolge verbuchen. Dazu gehören die Siege von Nelson Piquet beim Grand Prix von Frankreich 1985 und der Triumph von Gerhard Berger 1986 in Mexiko. Der damalige Formel 1-Reifen war der P7. Mit diesem Reifen gab Ayrton Senna 1984 sein Formel-1-Debüt für Toleman. Damals stattete Pirelli Teams wie Lotus, Brabham, Arrows, Osella, Fittipaldi und Minardi aus. Zu Beginn der 1990er Jahre schloss sich das aufstrebende Benetton-Team Pirelli an. In Monza fuhr Michael Schumacher 1991 beim zweiten Grand Prix-Rennen seiner einmaligen Karriere Pirelli P Zero Reifen. Im selben Jahr siegte Nelson Piquet für Benetton in Kanada. Pirelli verließ die Formel 1 am Ende der Saison, um sich auf andere Serien wie die IMSA-Meisterschaft in Amerika zu konzentrieren. Der Hersteller gewann 1995 mit dem Ferrari 333 SP und im nächsten Jahr mit dem von Wayne Taylor gefahrenen Riley & Scott.


Vom Jahr 2000 bis heute
Zu Beginn des neuen Jahrtausends dehnte Pirelli sein Engagement im Motorsport auf alle Kontinente aus. Ab 2004 beteiligte sich das Unternehmen an der World Superbike Championship. Die Kooperation wird noch mindestens bis Ende 2018 dauern – ein neuer Rekord im Motorsport. Die Beziehung ist von besonderer Bedeutung, denn sie betont die Beziehung zwischen Renn- und Straßenreifen sowie den damit verbundenen Technologietransfer, den das Motorsport-Engagement von Pirelli stets gekennzeichnet hat. Der Slogan „Wir verkaufen Reifen, mit denen wir Rennen fahren – und wir fahren Rennen mit Reifen, die wir verkaufen” ist das Markenzeichnen von Pirelli im Motorrad-Rennsport. Reifen wie der Diablo für die Superbike-Kategorie oder der Diablo Supercorsa SC für die Supersport-Kategorie trugen dazu bei, die Marke zum unangefochtenen Marktführer zu machen.















Die neuen Reifen in der Saison 2017
sind rund 25 prozent breiter als im Vorjahr.

Im Jahr 2010 wurde die erneute Rückkehr von Pirelli in die Formel 1 bekannt. Im nächsten Jahr stattete der Konzern die Teams mit einer P Zero Reifen-Range aus, zu deren besonderen Merkmalen sechs unterschiedliche Farbmarkierungen auf den Reifenflanken gehörten: vier Farben kennzeichnen die vier verschiedenen Mischungen der Slick-Reifen. Hinzu kommen die Farben Grün und Blau für Intermediates bzw. Regenreifen. Seit 2016 gibt es eine siebte Farbe: Violett markiert den ultrasoften Slick, die weichste Mischung der F1-Range. In diesem Jahr beginnt die dritte dreijährige Zusammenarbeit von Pirelli mit der Formel 1 als exklusiver Reifenausrüster. Und wieder sind neue Herausforderungen zu meistern. Hervorgerufen durch neue, breitere Reifen, die den jüngsten Regularien gerecht werden müssen. Die schreiben deutlich mehr Abtrieb vor. Daher werden die Reifen im Vergleich zu den Vorjahren rund 25 Prozent breiter sein, um die Aufstandsfläche zu vergrößern und höhere, extreme Kurvengeschwindigkeiten zu ermöglichen. Wir dürfen uns auf eine spannende Saison in der Königsklasse freuen!



(Quelle: Pirelli)


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