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„Ich sehe was, was du nicht siehst“ – Autos werden zum geschätzten Helfer beim Parken und Rangieren

21/12/16


Fahrerassistenzsysteme überwachen das Fahrzeugumfeld, entschärfen den toten Winkel und warnen beim Ausparken, sobald sich andere Verkehrsteilnehmer dem Gefahrenbereich seitlich oder hinter dem Fahrzeug nähern.


Die Zahl der zugelassenen Fahrzeuge in Deutschland steigt von Jahr zu Jahr kontinuierlich an. Mehr als 45 Millionen Pkw sind heute laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) auf deutschen Straßen unterwegs. Rund eine Million mehr als ein Jahr zuvor. Auch wenn international kaum ein Land eine höhere Autodichte aufweist als Deutschland, so entwickelt sich der Individualverkehr nahezu in allen Ländern rund um den Globus in die gleiche Richtung. Der Ausbau der Infrastruktur kann mit dem wachsenden Fahrzeugaufkommen kaum schritthalten. Insbesondere in Ballungsgebieten und im städtischen Raum steigt die Verkehrdichte rasant an.


Immer mehr Autofahrer fühlen sich überfodert. Oft reicht schon ein Augenblick der Unaufmerksamkeit aus und es kommt zum Unfall. Da ist es gut, wenn Fahrerassistenzsysteme helfen, das unmittelbare Fahrzeugumfeld im Auge zu behalten und den Fahrer vor Kollisionen warnen oder im Bedarfsfall das Fahrzeug aktiv bremsen.


Im Rahmen eines aktuellen Forschungsprojektes haben Experten des Allianz Zentrums für Technik festgestellt, dass fast jeder zweite Unfall in Deutschland ein Park- und Rangierunfall ist und drei Viertel davon beim Ausparken und Rückwärtsfahren passieren. Wer dabei nur vergleichsweise geringfügige Blechschäden erwartet, der irrt leider. Schon im Jahr 2010 ging die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) in den USA davon aus, dass in Amerika während des Zurücksetzens von Fahrzeugen jährlich 210 Menschen sterben und 15.000 verletzt werden. Nach Expertenmeinung ließen sich rund ein Drittel dieser tödlichen Unfälle vermeiden, wenn die Autos mit Systemen zur Überwachung des Raumes hinter dem Fahrzeug ausgestattet wären. Als erstes Land überhaupt erließen die USA deshalb eine Ausstattungspflicht für alle neu zugelassenen Fahrzeuge mit Rückfahrkameras ab 2018. In der EU gibt es eine vergleichbare Regelung zwar bereits seit 2007. Diese gilt jedochnur für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 Tonnen und Omnibusse.


Die Vielfalt technischer Lösungen für Fahrerassistenzsysteme, die Autofahrer beim Parken und Rangieren unterstützen, ist breit gefächert. Heute gibt es sowohl serienreife Lösungen, die sowohl auf Kamera- als auch auf Radarsystemen basieren. Hinzu kommen Surround View-Kameras, die das Fahrzeugumfeld im Fahrzeug bis zu 360 Grad sichtbar machen können. Auch die Kombination verschiedener Systeme ist möglich. Videorückfahrsysteme reduzieren beispielsweise das Unfallrisiko beim Rückwärtsfahren, indem sie das Erfassen des Toten Winkels ermöglichen und die Bilder von einer Heckkamera auf einem Monitor im Innenraum des Fahrzeugs anzeigen. Somit weiß der Fahrer auch ohne Hilfe Dritter, ob sich gerade jemand hinter dem Fahrzeug aufhält oder wie groß der Abstand zu einem Hindernis konkret ist.


Diese verhältnismäßig einfachen Videosysteme überwachen aber nur einen begrenzten Raum unmittelbar hinter dem Fahrzeug und verhalten sich rein passiv. Wenn Fahrer beim rückwärts Ausparken allerdings ein von der Seite kommendes Fahrzeug oder Fahrradfahrer zu spät oder gar nicht registrieren, sorgen auch Funktionen auf Nahbereichsradar-Basis für Unterstützung. So hat das Technologieunternehmen Continental eine als Rear Cross Traffic Alert (RCTA) bezeichnete Ausparkhilfe entwickelt, die technisch auf zwei Nahbereichs-Radarsensoren basiert.


Die beiden wachsamen Augen sitzen unsichtbar an der rechten und linken hinteren Ecke des Fahrzeugs hinter dem Kunststoffstoßfänger. Zu den technischen Feinheiten des Ausparkassistenten gehört die Fähigkeit, auch Kurvenbahnen eines querenden Fahrzeugs zu erkennen. Sieht das Fahrerassistenzsystem eine drohende Kollision voraus, macht es den Fahrer sowohl akustisch als auch optisch darauf aufmerksam. Die Warnstrategien werden dabei gemäß der Wünsche jedes Fahrzeugherstellers umgesetzt. Was einfach klingt, ist technisch hochanspruchsvoll. Die besondere Herausforderung liegt darin, die Wegstrecke für potenzielle Kollisionen des querenden Fahrzeugs bzw. Verkehrsteilnehmers zuverlässig zu berechnen. Dazu benötigt das System sehr präzise Angaben über die Richtung, Geschwindigkeit und Distanz des Objekts. Und das erfordert zwangsläufig außerordentlich leistungsfähige Sensoren. Die für den RCTA verwendeten Nahbereichsradare lassen sich aber nicht nur zur Erkennung von querenden Fahrzeugen beim Ausparken nutzen. Für die Erkennung von Fahrzeugen im toten Winkel sind sie auch während des fließenden Verkehrs geeignet. Blind Spot Detection (BSD) nennt sich das System zur Überwachung des toten Winkels. Sensoren überwachen den Verkehrsraum hinter und neben dem eigenen Fahrzeug und schlagen optisch und akustisch Alarm, wenn der Fahrer trotz fehlender Lücke ausscheren will.


Künftig wird der so genannte Back-up-Assist auf der Grundlage der Surround-View-Kameratechnik, Fischaugenkameras mit einem Öffnungswinkel von mehr als 180 Grad, mehr Sicherheit bieten. Die Technik erfasst das komplette Fahrzeugumfeld im 360°-Umkreis und kann für verschiedene Funktionen genutzt werden. Bisher dient solch Fischaugenkameratechnik dazu, dem Fahrer beim Einparken zu helfen, indem sie ihm das Fahrzeug aus der Vogelperspektive zeigt sowie die erwartete Fahrspur beim Rückwärtsfahren anzeigt. So kann der Fahrer die Abstände zu Objekten in seiner Umgebung besser einschätzen. Der Back-up Assist nutzt die Bildauswertung der hinteren Kamera dafür, um eine Kollision mit Objekten hinter dem Fahrzeug zu vermeiden. Dazu ist das Surround-View-Steuer-gerät mit dem elektronischen Bremssystem des Fahrzeugs vernetzt und löst eine automatische Bremsung aus, wenn der Fahrer nicht rechtzeitig reagiert.


Verglichen mit den heute für diesen Zweck meist genutzten Technologien bietet die Surround-View-Kameratechnik deutliche Vorteile. Dazu zählt die erhöhte Reichweite von bis zu 15 Metern und die Erkennung von Fahrbahnmarkierungen. Mit der größeren Reichweite der Kameras steigt auch die Flexibilität, mit der sich die Bremseingriffsstrategie an das Konzept des Fahrzeugherstellers und die Erwartungen des jeweiligen Marktes anpassen lässt: von einem späten, energischen Eingriff bis hin zu früheren und sanfteren Bremsungen. Eine weitere Stärke der Kameratechnik besteht darin, dass sie nicht nur das Vorhandensein von Objekten erfasst, sondern diese Objekte auch als Fußgänger oder Radfahrer klassifizieren kann.


Zunkünftig werden deshalb noch komplexere Szenarien abgedeckt werden können.


Verschiedene Fahrerassistenzsysteme tragen dazu bei, die negativen Folgen von Unaufmerksamkeiten durch punktuell überforderte Autofahrer deutlich zu reduzieren,was für Continental ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Vision Zero ist!


(Quelle: Continental)








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