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WINTERREIFEN: MYTHEN UND WAHRHEIT – DAS SOLLTEN AUTOFAHRER WISSEN

17/10/16

Sind Sie ein Winterreifen-Experte? Testen Sie Ihr Wissen, indem Sie folgende Fragen mit Ja oder Nein beantworten:
- Erkennt man Winterreifen an der M+S-Markierung auf der Seitenwand?
- Herrscht in Deutschland die Winterreifen-Pflicht?
- Sind schmale Winterreifen besser als breite?
- Benötigen Winterreifen einen höheren Reifendruck?
- Sind Sommerreifen wirtschaftlicher und umweltverträglicher als Winterreifen?
Dem Gros der Autofahrerinnen und Autofahrer fehlt fundiertes Wissen über Reifen. Im Fahrschulunterricht spielt das Thema kaum eine Rolle. Auch später, mit dem Führerschein in der Tasche, entwickeln nur die Wenigsten ein gesteigertes Interesse für diese wichtigen Sicherheits-Komponenten ihres Autos. Viele vernachlässigen die Reifenpflege, prüfen selten deren Fülldruck, fahren das Profil bis auf den letzten Millimeter ab und sehen im Unterschied von Sommer- und Winterreifen einen Marketing-Gag der Hersteller.
Kein Wunder, wenn sich bei ihnen Technik-Mythen über Pneus hartnäckig halten.
„Die Qualität der Bereifung ist für die Sicherheit eines Kraftfahrzeugs im Straßenverkehr von enormer Bedeutung“, betont Norbert Allgäuer-Wiederhold, Leiter des Pirelli Tyre Campus. „Das gilt insbesondere in der kalten Jahreszeit mit ihren schwierigen Sicht- und Witterungsverhältnissen. Autofahrer, die mit Sommerreifen durch Herbst und Winter fahren, haben ein erhöhtes Unfallrisiko.“
Jede Autofahrerin und jeder Autofahrer sollte daher folgendes über Winterreifen wissen: Sicherer, wirtschaftlicher, umweltverträglicher: Winterreifen bei Kälte im Vorteil Liegen die Temperaturen in der Nacht nur wenige Grade über dem Gefrierpunkt, ist es Zeit, sein Auto auf hochwertige Winterreifen umzurüsten Norbert Allgäuer-Wiederhold erläutert deren Vorzüge: „Ihre weiche Gummimischung wird bei Minusgraden nicht hart und spröde. Zudem enthält ihr Profi Klötze und Lamellen, um auf mit Laub verschmierter, verschneiter oder angeeister Fahrbahn bestmöglich zu haften.“ Aus diesem Grund liefern Premium-Winterreifen in der kalten Jahreszeit deutlich mehr Grip, also Haftung und somit Sicherheit, als die Sommerprofile. „Die Sicherheitsvorteile sind kürzere Bremswege von etwa zehn Prozent auf Nässe und 20 Prozent auf Schnee sowie eine klar bessere Zugkraft“, so der Reifen-Experte. „Hinzu kommen eine höhere Fahrstabilität der Reifen,
insbesondere in Kurven, ein besseres Handling, ein geringerer Profilabrieb sowie eine höhere Laufleistung.“
Wann neue Winterreifen fällig sind Die Zeit für einen Satz neuer Winterreifen ist gekommen, sobald das Profil der Alten weniger als 4,0 Millimeter beträgt. Zwar verlangt der Gesetzgeber als Mindestprofitiefe nur 1,6 Millimeter Restgummi, doch Experten warnen vor derart abgefahrenen Pneus: „Im Vergleich mit einem Neureifen hat ein Reifen mit 4,0 Millimetern Restprofil bereits einen gut 12 Prozent längeren Bremsweg, und seine Zugkraft auf Schnee ist gut 50 Prozent geringer“, beziffert Norbert Allgäuer-Wiederhold die Leistungsunterschiede. „Ein Restprofil von nur 1,6 Millimetern ist für winterliche Straßenverhältnisse gänzlich ungeeignet.“
Moderne Winterreifen enthalten Alterungsschutzmittel. Sie ermöglichen es, dass sich die Gebrauchseigenschaften der Pneus bei normaler Nutzung und Nutzungsdauer kaum ändern. „Dennoch greift der in der Luft enthaltene Sauerstoff das Reifengummi an. Das kann die Eigenschaften eines Reifens verändern, besonders wenn er einem hohen Temperaturstress unterliegt“, weiß der Experte. „Dadurch verschlechtern sich meist die Hafteigenschaften. Die Bremswege werden länger, das Kurvenverhalten schlechter. Allerdings wird dieser Effekt von der abnehmenden Profiltiefe deutlich überlagert. Sollten Sie Zweifel haben, oder die Reifen in die Jahre gekommen sein, konsultieren Sie einen Fachbetrieb.“ Ein Blick auf die Flanke des Reifens lässt erkennen, wie alt er ist. Hinter dem Kürzel DOT steht das Produktionsdatum. Die vier letzten Ziffern geben Kalenderwoche und Jahr an. So bedeutet die Zahlenfolge 2211: Der Reifen wurde in der 22. Woche des Jahres 2011 produziert. „Nicht zuletzt müssen natürlich Winterreifen ersetzt werden, die Beulen, tiefe Risse oder Profilabtrennungen aufweisen“, mahnt Allgäuer-Wiederhold.
Neue Winterreifen nicht sofort voll belasten


Es dauert eine gewisse Zeit, bis die Neureifen nach der Montage 100-prozentig fest an der Felge haften. Die Montagepaste, die eine sichere und beschädigungsfreie Montage der Reifen auf der Felge gewährleistet, muss erst trocknen. Daher sollten Neureifen auf den ersten 300 Kilometern möglichst ohne Kavalierstarts, sportliche Kurvenfahrten, hohe Geschwindigkeiten sowie heftige Bremsmanöver gefahren werden. Denn sollte sich der Reifen auf der Felge verdrehen, muss er unter Umständen nachgewuchtet werden.
Risikofaktor falscher Fülldruck
Rund 40 Prozent aller Pkw-Reifen werden mit einem zu geringem Fülldruck gefahren, ermittelte die Gesellschaft für Technische Überwachung GTÜ, Stuttgart. Dadurch schmälern Autofahrer die Qualität selbst hochwertiger Winterreifen enorm. Norbert Allgäuer- Wiederhold listet die Nachteile auf: „Bei zu geringem Fülldruck verliert der Reifen Grip, wodurch sich seine Bremswege verlängern. Auch Kurvenfahrten werden zum Wagnis, weil mit jedem Zehntel bar weniger die Seitenkräfte der Pneus schrumpfen. Fehlender Luftdruck der Hinterräder lässt das Heck in Kurven ausbrechen und das Auto beim Spurwechsel unruhig reagieren. Schlaffe Vorderräder führen dazu, dass der Wagen nicht mehr sauber geradeaus läuft. Darüber hinaus steigen bei einem zu geringem Fülldruck Rollwiderstand und Kraftstoffverbrauch an. Zudem verschleißt der Reifen schneller, und die Gefahr innerer Schäden wächst.“ Aber auch ein Zuviel an Luft beeinträchtige Leistungsstärke
und Fahrsicherheit der Pneus. „In diesem Fall wird der mittlere Bereich der Lauffläche ausgebeult. Ihre Ränder verlieren den Kontakt zur Straße. Die Folgen sind ein reduzierter Grip, eine verringerte Kurvenstabilität sowie erhöhte Schleudergefahr. Und die Reifenmitte wird stärker abgerieben.“
EU Reifenlabel – für Winterreifen richtig interpretieren
Die Qualität eines Winterreifens lässt sich nicht an seinem Äußeren erkennen. Erste Orientierung bietet das EU Reifenlabel. Darauf können Reifenkäufer die Leistung des Pneus in drei wichtigen Kategorien ablesen: Kraftstoffverbrauch, Nassbremsverhalten und Geräuschentwicklung. Ganz wichtig: Die Labelwerte von Winterreifen dürfen nicht mit den Werten von Sommerreifen verglichen werden. Denn aufgrund ihrer auf Kälte und Schnee ausgelegten Mischungen und Profile haben sie zusätzliche Funktionsschwerpunkte, die ein Sommerreifen nicht hat. Diese Funktionen stehen oft im Zielkonflikt mit den drei Label-Kriterien.
Wenn‘s perfekt sein soll: Erstausrüstungsreifen
Wer für sein Automodell optimale Winterreifen will, dem empfiehlt Norbert Allgäuer- Wiederhold den Kauf von Erstausrüstungs- bzw. OE-Reifen (OE = Original Equipment). Diese Reifen werden von Automobilherstellern in enger Kooperation mit führenden Reifenherstellern
wie Pirelli individuell für ein spezielles Fahrzeugmodell entwickelt und sind daher perfekt auf das Fahrzeugmodell abgestimmt. „Ihre Qualität trägt bis zu 50 Prozent des gewünschten Fahrverhaltens eines Automodells bei“, betont Norbert Allgäuer-Wiederhold.
Ganzjahresreifen
„Ganzjahresreifen sind eine Option für die Besitzer von Kleinwagen, die in schneearmen Regionen leben. Wer hingegen ein leistungsstarkes Auto fährt und viel unterwegs ist, sollte auf jeden Fall auf Premium-Winterreifen setzen.“
Echte Winterreifen erkennen: Auf die Schneeflocke kommt es an
Echte Winterreifen sind leicht zu erkennen. Die Wand des Reifens ist nicht nur mit dem Kürzel M + S (Matsch und Schnee) gekennzeichnet, sondern trägt zudem das Symbol eines dreizackigen Berges mit einer stilisierten Schneeflocke. Das Symbol steht für einen standardisierten Reifentest, bei dem die Pneus ihre Wintereigenschaften beweisen müssen. Auf der sicheren Seite sind Autofahrer, die sich im Fachhandel beraten lassen.


In Deutschland gilt die situative Winterreifen Pflicht
„Selbstverständlich ist es ratsam, sein Auto zu Beginn der kalten Jahreszeit mit hochwertigen Winterreifen auszustatten, die noch eine Mindestprofiltiefe von vier Millimetern haben sollten“, empfiehlt Norbert Allgäuer-Wiederhold. „Doch gesetzlich vorgeschrieben ist das nicht.“ Konkret schreibt die Straßenverkehrs-Ordnung StVO bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte die Verwendung von wintertauglichen Reifen mit entsprechender Markierung vor. Noch reicht dazu die M+S-Kennung, zukünftig muss es das Schneeflockensymbol sein. Sind die Straßen hingegen trocken und herrschen frühlingshafte Temperaturen, dürfen auch im Winter Sommerreifen gefahren werden.
Schmale Winterreifen sind nicht besser als breite „Tatsächlich bieten breite Winterreifen mit einem guten Profildesign mehr Traktion“,
räumt Norbert Allgäuer-Wiederhold mit einem Technik-Mythos auf. „Das bedeutet, die breite Aufstandsfläche kann die Antriebskraft des Motors besser in eine Vor- oder Rückwärtsbewegung umsetzen und natürlich auch besser bremsen. Schmale Reifen sind nur dann nötig, wenn im Radkasten mehr Platz für den Schneekettenbetrieb erforderlich ist.“
Winterreifen benötigen nur in Ausnahmefällen einen höheren Reifendruck
„Sommer- und Winterreifen sind sehr ähnlich aufgebaut und benötigen gleiche Basisdrücke“, erläutert Norbert Allgäuer-Wiederhold. „Der optimale Reifendruck wird vom Fahrzeughersteller festgelegt und hängt von Reifengröße, Beladung und Einsatz des Fahrzeugs ab.“ Lediglich bei einer längeren Kälte-Periode kann es sinnvoll sein, den Reifen mit 0,2 bar mehr zu befüllen, um den temperaturbedingten Minderdruck auszugleichen.
Fazit: Autofahrer, gleich welchen Alters, sind gut beraten, sich für ihre Reifen zu interessieren. Denn von der Qualität und dem Zustand dieser Hightech-Produkte hängt die Sicherheit eines Fahrzeugs im Straßenverkehr. Wer sein Auto jetzt auf hochwertige Winterreifen umrüsten lässt, senkt das Unfallrisiko und erhöht seinen eigenen Schutz sowie den anderer Fahrzeug-Insassen und Verkehrsteilnehmer.


(Quelle: Pirelli)


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