25/09/15

Rund 1.700 Formel 1-Reifen liefert Pirelli zu jedem Grand Prix-Wochenende an. Lange bevor die Gummiwalzen auf dem Circuit eintreffen, ist bereits festgelegt worden, welche dieser Reifen welchem Team zur Verfügung gestellt werden.
Für jedes Rennen gilt: Pirelli produziert die Reifen in einem speziellen Fertigungslauf im Vorfeld des Grand Prix. Während des Herstellungsprozesses im Werk Izmit in der Türkei – einzige Produktionsstätte für die diesjährigen Formel 1-Reifen – wird jeder Pneu mit einem Barcode ausgestattet. Diese Barcodes lässt die FIA, die Dachorganisation des weltweiten Automobilsports, produzieren und an Pirelli liefern. Der Barcode ist quasi der Personalaus-weis eines Reifens. Während der Vulkanisation wird er fest mit der Reifenflanke verbunden und kann nicht mehr entfernt werden. Der Code enthält sämtliche Details dieses Reifens. Mit seiner Hilfe kann der Einsatz des Reifens während des Rennwochenendes genau ver-folgt bzw. rekonstruiert werden. Dazu nutzt Pirelli die Software RTS (Racing Tyre Sys-tem). Sie kann die Daten des Barcodes auslesen und aktualisieren.
Sobald der Produktionslauf für einen Grand Prix beendet ist, sendet das Werk Izmit eine Liste mit den Barcodes an das Logistik- und Verteilerzentrum von Pirelli in Didcot in Groß-britannien. Dort stellt ein IT-System von Pirelli die Barcodes wahllos zu Vierergruppen zusammen. Jede Vierergruppe enthält die Barcodes von zwei Hinter- und zwei Vorderreifen und entspricht somit einem Reifensatz. Die Liste mit diesen Barcode-Vierergruppen sendet Pirelli daraufhin an die FIA.
Daraufhin teilt die FIA jedem einzelnen Formel 1-Auto wahllos eine festgelegte Anzahl von Barcode-Vierergruppen zu – und somit die diesen Vierergruppen entsprechenden Reifensätze.
Folgende Regularien der FIA müssen die Teams beachten:
Jedes Auto muss in den ersten 30 Minuten der ersten Session des Freien Trainings einen Satz Reifen mit der härteren der beiden nominierten Mischungen einsetzen.
Zudem muss jedes Auto während des letzten Drittels des Qualifyings einen Reifen-satz mit der jeweils weicheren Mischung einsetzen.
Die übrigen einem Auto zugeteilten Reifensätze kann jedes Team in beliebiger Abfolge einsetzen – solange jedes Auto nur die Reifen nutzt, die ihm zugeteilt wurden. Darüber hinaus gilt nur eine weitere Einschränkung: Die Mischung der vier Reifen, die an das Auto montiert werden, muss identisch sein.
In diesen gesamten Prozess ist Pirelli nicht eingebunden. Das bedeutet: Der Reifenher-steller hat keinerlei Einfluss darauf, welche Reifen an welches Team geliefert oder zu wel-chem Zeitpunkt sie eingesetzt werden. Mittels einer rigiden Qualitätskontrolle stellt Pirelli lediglich sicher, dass sämtliche Reifen, die das Werk in Izmit verlassen, von einheitlicher Qualität sind.
Sobald sie an der Rennstrecke eingetroffen sind, werden die Reifen in strikter Überein-stimmung mit dem von der FIA erstelltem Verteilerschlüssel den Teams zugestellt. Mittels der Barcodes können die FIA und Pirelli sicherstellen, dass jedes Auto den Regeln ent-sprechend genau jene Reifen fährt, die ihm nach dem Zufallsprinzip zugeordnet worden sind.
Pirelli weist jedem Team einen Reifen-Ingenieur zu. Er betreut das ganze Jahr über aus-schließlich dieses Team. In der Pirelli Datenbank kann der Ingenieur nur jene Daten ein-sehen, die sein Team betreffen. Dadurch wird verhindert, dass er die individuellen Strate-gien der Teams miteinander vergleichen und seinem Team entsprechende Hinweise ge-ben kann.
In der Mailänder Firmenzentrale von Pirelli kontrolliert und analysiert eine Gruppe aus-gewählter Ingenieure der Abteilung Forschung und Entwicklung sämtliche technische Daten über die Reifen und ihre Performance auf der Strecke. Dieses Monitoring sämtli-cher Informationen dient dazu, jene Entwickler bei Pirelli zu unterstützen, die bereits eine neue Reifen-Generation konzipieren.
Paul Hembery, Motorsport-Direktor Pirelli, betont: “Die Entscheidungen, welche Reifen welchem Team zugeteilt und wann sie eingesetzt werden, fällt allein die FIA, sobald die Reifen unser Werk verlassen haben. Auf diese Weise wird unsere Neutralität gegenüber allen Teams gewährleistet. Das hat für uns als exklusiver Reifenausrüster der Formel 1 höchste Priorität. Auch die Arbeit der Reifen-Ingenieure, die wir den Teams an die Seite stellen, rechtfertigt das Vertrauen in unsere Überparteilichkeit. Dieses Vertrauen dauer-haft aufrechtzuerhalten, steht bei uns an oberster Stelle.“
(Quelle: Pirelli)