27/04/11

Explodieren die Boliden, ist das Publikum zufrieden, sang einst der österreichische Pop-Barde Rainhard Fendrich. Doch für Spannung sorgen in der Formel 1-Saision 2011 nicht wilde Crashs – sondern die P ZERO Rennreifen. „Danke Pirelli. Was ihr mit den Reifen ermöglicht, ist tolles, strategisches Racing", jubelte das ehemalige F1-Ass David Coulthard nach dem Großen Preis von China. Ähnlich positiv wie der BBC-Kommentator urteilen auch viele Fahrer und Chefs der Rennställe.
So steht nach den ersten drei Rennen fest: Pirelli hat die Feuertaufe bestanden. Und die Aufgabe der FIA sowie der Teamvereinigung FOTA mit Bravour gelöst. Nicht der bewegliche Heckflügel und auch nicht das KERS-System sorgen für Dramatik und Action auf der Piste, sondern die neue Reifenphilosophie.
„Neue Zeitrechnung in der Formel 1“, „Die F1 ist wieder die Königsklasse“, „Reifenchaos bringt Freude“ – fast euphorisch reagierten die Medien auf den Großen Preis von China. F1-Experten feierten das Rennen in Shanghai als einen der besten Wettkämpfe der vergangenen Jahre. Als Hauptgrund für die hohe Attraktivität des Rennens gelten die P ZERO Rennreifen von Pirelli. „Reifen machen die F1 spannender“ urteilte die Rheinische Post. Und auto, motor und sport titelte: „Pirelli steht als Sieger da“.
Der Hersteller erfuhr Anerkennung von allen Seiten. So von McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, zugleich Vorsitzender der Formel 1-Teamvereinigung FOTA: „Dafür muss man Pirelli loben: Zwei Rennen auf Strecken, die ohne Regen bislang unspannend verliefen, waren plötzlich hervorragend. Ich glaube, wir sind an einem guten Punkt für die Formel 1."
Das findet auch Altmeister Michael Schumacher (Mercedes). Sein Kommentar nach dem Rennen in Shanghai: „Das hat viel Spaß gemacht. Viel Action.“ Force-India-Pilot Adrian Sutil hält die Formel 1 in dieser Saison für interessanter als im Vorjahr. Der Grund: „Die Startaufstellung beim Rennen ist nicht mehr alles. Wer die Pneus schonend fährt, kann im Qualifying zwei, drei Zehntel verlieren, sie aber im Rennen wieder gewinnen.“
Beifall für Pirelli – das war zu Beginn der Saison noch ganz anders gewesen. Da hagelte es Kritik. Die Reifen würden zu schnell abbauen, seien schwer zu verstehen und vermittelten Piloten das Gefühl, auf Eis zu fahren. Dabei hatte das Unternehmen exakt geliefert, was F1-Chef Bernie Ecclestone gefordert hatte: Reifen, die relativ schnell abbauen und dadurch für spannende Rennen sorgen.“
„Jeder hat Pirelli zunächst kritisiert, aber sie haben unseren Sport wieder spektakulär gemacht“, lobt denn auch Mercedes-Pilot Nico Rosberg. Das sieht Fernando Alonso ähnlich: „In der vergangenen Saison stand der Sieger oft schon nach dem ersten Boxenstopp fest“, betont der Ferrari-Fahrer, „jetzt weißt du bis zu den letzten vier, fünf Runden gar nichts.“
Woran liegt das? „Es gibt jetzt zum Teil unglaubliche Unterschiede bei den Geschwindigkeiten der Boliden. Und das liegt nicht an KERS oder den beweglichen Heckflügeln, sondern allein an den Reifen“, erläutert Renn-Experte und RTL-Kommentator Christian Danner. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali bestätigt: „Alles hängt nur von den Reifen ab, nicht von der Grundgeschwindigkeit des Boliden.“ Ähnlich urteilt der ehemaligen Formel-1-Pilot Jean Alesi: „Die Reifen haben den größten Einfluss auf den Rennverlauf. Gegen Ende wird es richtig spannend, und das ist klasse.“
Die Gründe für die neue Dramatik der Rennen: Durch die unterschiedlichen Reifenstrategien der Teams kommt es auf der Strecke zu bislang nicht gekannten Positionskämpfen von Fahrzeugen, deren Pneus völlig unterschiedliche Leistungen aufweisen. So sind die Gummiwalzen mit der weichen Mischung gut 1,5 Sekunden pro Runde schneller als jene mit der harten Mischung. Zudem haben weiche Reifen, die bereits sieben oder acht Runden gedreht haben, weniger Grip als frische Reifen und sind erheblich langsamer. „Hinzu kommt: Die Leistungsfähigkeit der Pneus baut nicht kontinuierlich ab, sondern auf einen Schlag“, wie Ross Brawn, Team-Chef von Mercedes, erläutert. „Im Vorjahr wussten wir, wie sich der Reifen über die Distanz verhalten würde. Der Gripabbau war linear.“ Beim P ZERO passiere das von einer Runde auf die andere und ermögliche Überholmanöver, die bislang nicht möglich waren.
„Und das ist exakt das, was wir erreichen wollten, als wir das Formel-1-Projekt starteten ", freut sich Pirellis Motorsportchef Paul Hembery. „Die Reifenstrategien entscheiden die Rennen und niemand weiß, wie sie ausgehen, bis die Zielflagge geschwenkt wird. Die Spannung von China beim Grand Prix der Türkei noch zu toppen, ist kaum vorstellbar, aber wir werden versuchen, etwas Vergleichbares auf die Beine zu stellen.“