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Das richtige Gummi für jeden Zweck

12/05/14

Der Tag an dem Patrick Makau Musyoki aus Kenia Sportgeschichte schreibt, ist der 25.09.2011. Als er nach zwei Stunden, drei Minuten und 38 Sekunden vor der imposanten Silhouette des Brandenburger Tores in Berlin durchs Ziel läuft, brandet ihm der tosende Jubel tausender Zuschauer entgegen. Ausgelassen feiern sie ihn und seinen spektakulären neuen Weltrekord. Niemals zuvor hat ein Mensch schneller die Marathondistanz überwunden als er. Der Rekord hält aber nur zwei Jahre. Dann läuft Wilson Kipsang Kiprotich an gleicher Stelle rund 15 Sekunden schneller: 2:03:23. Er ist Kenianer wie Patrick Makau Musyoki. Und er trägt die gleichen Laufschuhe von adidas. Ein Zufall?
Immer mehr Läufer siegen dank Continental Traction Compound
Kein Zufall, denn diese Laufschuhe haben es in sich. Oder besser gesagt drunter. Denn die Sohlen dieser adidas-Schuhe basieren auf einer vom Reifen-Hersteller Continental entwickelten Technologie. Die Chemiker, die sonst am Technologie-Standort Hannover-Stöcken High-Tech-Gummimischungen für den perfekten Grip von Hochgeschwindigkeits-, Regen- oder Winterreifen entwickeln, haben ihr Know-how in ein gemeinsamen Projekt mit dem Sportartikel-Hersteller aus dem fränkischen Herzogenaurach eingebracht. Und das mit überragendem Erfolg, denn was für Reifen gilt, gilt auch für Läufer: Mehr Grip ermöglicht einen besseren Kontakt zum Untergrund, bessere Kraftübertragung und damit schnellere Runden. Das belegen nicht nur die schon genannten Weltrekorde von Patrick Makau Musyoki und Wilson Kipsang Kiprotich, sondern auch zahlreiche Streckenrekorde über die Marathon-Distanz – unter anderem in London 2012 und 2014 sowie in Hannover und Tokio im vergangenen Jahr.
Angesichts dieser Erfolge ist es kein Wunder, dass neben den Profis auch immer mehr Freizeitsportler den Technologie-Vorsprung nutzen, den die Laufschuhe von adidas mit Traction-Compound-Gummimischungen von Continental ihnen bieten. Und so nimmt die Nachfrage nach diesen Laufschuhen stetig zu. Wurden in 2012 rund 1,2 Millionen Paar verkauft, so gingen im vergangenen Jahr bereits über drei Millionen über den Ladentisch. Und auch das Sortiment wurde verbreitert. Mittlerweile gibt es bereits über 80 verschiedene Artikel in den Segmenten Laufen, Trekking und Winter mit Continental-Mischungstechologie zu kaufen.
Hightech für besten Grip
Rund drei Jahre lang haben Continental und adidas am ersten Projekt gearbeitet. Die Herausforderung war gewaltig. Zwar haben Reifen und Schuhsohlen gemeinsam, dass beide die jeweils einzige Verbindung zur Straße sind und entsprechend alle Kräfte übertragen müssen. Doch anders als bei einem rollenden Reifen, ist beim Laufen jeder Schritt ein einzelner Beschleunigungsvorgang – egal wie rund und ausgeglichen ein Laufstil auch sein mag.
35.000 Mal stößt sich ein durchschnittlicher Marathonläufer auf den etwas mehr als 41 Kilometern vom Boden ab. Je besser dabei die Bodenhaftung, desto besser ist auch der Vortrieb. Gleichzeitig benötigt der Läufer aber auch eine gewisse bewegende Freiheit, damit es nicht zu Verletzungen kommt. Dieser Spagat verlangte den Materialtüftlern zu Beginn der Zusammenarbeit einiges ab. Denn wenn auch erste Probemuster bestätigten, dass Continental in der Lage wäre, gegenüber den bisherigen Sohlen nennenswerte Verbesserungen zu erzielen, so schossen die frühen Experimente mit Gummimischungen für Regenreifen aus dem Motorrad-Rennsport doch über das Ziel hinaus. Sie führten zu Ergebnissen, mit denen man die Wände hätte hoch laufen können. Außerdem musste berücksichtigt werden, wie sich die Materialien während der Fertigung von Schuhen verhalten. 2009 kam erstmals ein Prototyp in einem regulären Rennen zum Einsatz. Der ehemalige Marathon-Weltrekordhalter Haile Gebrselassie trug ihn beim Silvesterlauf in Trier. Auf nasser Strecke, die teilweise über Kopfsteinpflaster führte, siegte er souverän. Von da an ging es Schlag auf Schlag.
Kooperation seit 2007
Die Zusammenarbeit zwischen Continental und adidas begann bereits 2007. Und es war auch ein wenig Zufall im Spiel, als sich Entwickler beider Unternehmen auf einem Workshop kennen lernten und dort über die Herausforderungen ins Gespräch kamen, die es zu meistern gilt, wenn man den Grip von Gummimischungen deutlich erhöhen will. Im Zuge des Gedankenaustausches bekundeten die adidas-ler schließlich das grundsätzliche Interesse an einer Kooperation. Und so schlug auf Seiten von Continental die Stunde jener Experten, deren Gummi-Lösungen sonst helfen, Bremswege zu verkürzen, Nässehaftung zu verstärken, Kurvengeschwindigkeiten zu erhöhen und den Rollwiderstand zu reduzieren. Je nach Modell reduzierten sie die Traktion bei gleichzeitig verringertem Schlupf um bis zu 30 Prozent – auf trockener und nasser Strecke gleichermaßen und sogar in gänzlich unterschiedlichen Temperaturbereichen. Und so entstanden im Laufe der Zeit neben Laufschuhen auch Freizeit-Outdoor- und sogar Trekking-Schuhe mit Continental-Sohle. Die sind übrigens mindestens ebenso beliebt wie für die Dauerläufer. Das belegen die Verkaufszahlen, die sich im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2012 glatt versechsfacht haben.
Bei so vielen Erfolgsmeldungen ist es wahrlich keine Überraschung, dass diese Kooperation noch längst nicht am Ende ist. Spezialschuhe gibt es schließlich viele. Und griffige Sohlen brauchen sie (fast) alle. Das neueste Projekt der Kooperation ist ein erster innovativer Snowboard-Schuh, der unter dem Namen Blauvelt bereits im Handel verfügbar ist.
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