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Keine Kompromisse. Seit mehr als 40 Jahren prüft der ADAC Reifen – neutral und unabhängig. Diesmal im Test: 33 Modelle für Kleinwagen und die untere Mittelklasse.

25/04/14

Der ADAC hat in den letzten Monaten viel an Kritik einstecken müssen. Ausgehend von den Manipulationen eines Einzelnen, wurden plötzlich alle wei teren Club-Aktivitäten in Frage gestellt – auch die renommierten Verbraucherschutztests der Kollegen des Technik Zentrums in Landsberg. Sehr früh kam auch der Reifentest des ADAC ins Gerede. Ein „Insider“ hatte den Medien berichtet, dass die Reifenhersteller schon frühzeitig wüssten, welche Dimensionen der ADAC im nächsten Jahr testet. Und entsprechend würden sie genau diese Reifengröße optimieren, um sie rechtzeitig zu den Händlern zu schicken, bei denen der ADAC seine Testreifen vermutlich einkauft.
Zwar bezog sich dieser Vorwurf auf einen Zeitraum Ende der 90er-Jahre – der ADAC hatte schon damals auf dieses Gerücht reagiert und umgehend den Einkaufsprozess geändert –, doch einmal ausgesprochen, setzte sich der Vorwurf in den Medien fest. Mogelt der ADAC also nicht nur beim Gelben Engel, sondern ebenso beim Reifentest? NACHTESTS BESTÄTIGEN ALLE ERGEBNISSE Um alle Vorwürfe endgültig zu entkräften, ordnete das Testkonsortium der europäischen Automobilclubs und der Verbraucherschutz-Organisationen wie Stiftung Warentest, die alle auf Basis des ADAC Reifentests veröffentlichen, Nachprüfungen des diesjährigen Sommerreifentests an. Es wurden je Dimension vier Modelle vom Prüfmustereinkauf der Stiftung Warentest am freien Markt anonym nachgekauft und mit den obligatorischen Rückstellmustern aus dem Reifentest in den Disziplinen Rollwiderstand (Spritverbrauch) und Nassbremsen verglichen. Diese Prüfungen stehen im Zielkonflikt zueinander und beweisen deshalb sehr gut, ob zwei Reifenmodelle identisch gebaut sind. Das Ergebnis: Alle getesteten Modelle zeigten keinerlei Abweichungen zu den Rückstellmustern, die über die üblichen Messtoleranzen hinausgehen. Also wie aus Sicht des ADAC nicht anders erwartet: alles in Ordnung – so wie in den letzten Jahren auch. Für Sie als ADAC Mitglied und Leser ändert sich daher nichts: Sie können dem ADAC Reifentest weiter und wie gewohnt uneingeschränkt vertrauen. Nur eines ist dieses Jahr doch anders: Weil die Nachprüfungen etwas Zeit gebraucht haben, lesen Sie diesen Reifentest nicht wie gewohnt im März, sondern eben erst im April.
In der kleinen Dimension 175/65 R 14 T für Fahrzeuge wie Fiat 500, Mazda 2, Opel Corsa, Re nault Twingo, Toyota Yaris oder Ford Fiesta (Testfahrzeug) erreichten diesmal sechs Modelle das ADAC Urteil „gut“ und sind deshalb besonders empfehlenswert. Prinzipiell präsentieren sich alle guten Reifen sehr ausgewogen, kleine Unterschiede gibt es nur im Detail. Gar kein Minus registrierten die Tester beim bewährten Continental EcoContact 5 und dem neuen Falken Sincera, während der Pirelli Cinturato P1, der Nokian Line und der Bridgestone Ecopia EP 150 durch einen höheren Rollwiderstand etwas mehr Sprit verbrauchen. Der japanische Bridgestone zeigt wie der Hankook Kinergy aus Korea auch etwas mehr Verschleiß. Immerhin sechs weitere Modelle schneiden mit „zufriedenstellenden“ Leistungen ab. Alle schwächeln etwas auf Nässe – darunter auch der höherpreisige Michelin Energy Saver+, der dafür mit Bestnoten beim Spritverbrauch und Verschleiß zumindest seinem Namen alle Ehre macht. Dass es auf Nässe noch wesentlich schlechter geht, beweist der französische Weltkonzern jedoch mit seiner Zweitmarke Kleber: Der Dynaxer HP3 bremst und fährt auf Nässe so schlecht, dass er mit einem „mangelhaften“ Urteil in dieser Dimension glatt durchfällt. So wie auch der Kormoran Impulser, der von einem polnischen Reifenhersteller produziert wird, aber ebenfalls zum Michelin-Konzern gehört. Der dritte mangelhafte Reifen kommt von der Dunlop-Zweitmarke Debica – und damit von Goodyear.
AUCH TEURE MARKEN SCHWÄCHELN
Insgesamt sieben Mal „gut“ gab es in der populären Dimension 195/65 R 15 V für Fahrzeuge der unteren Mittelklasse wie Audi A3, BMW 3er, Ford Focus,
Mercedes C-Klasse, Skoda Octavia oder VW Golf (Testauto). Diese „besonders empfehlenswerten“ der Fulda EcoControl HP oder der Nokian Line präsentieren sich rundum ausgewogen ohne Schwächen. Einen etwas höheren, aber noch akzeptablen Verschleiß zeigen in der Spitzengruppe hingegen der Dunlop BluResponse, der Hankook Kinergy Eco K425 und der Vredestein Sportrac 5, einen etwas höheren Spritverbrauch der Pirelli P1. Wie immer sind auch die in der Tabelle folgenden „zufriedenstellenden“ Reifen eine mögliche Alternative. Hier ist in der Regel das Preis-Leistungs-Verhältnis günstiger als bei den Testsiegern, wofür man jedoch meist Abstriche bei der Nässe-Performance in Kauf nehmen muss. Doch bei den 195ern ist das diesmal anders: Hier mussten sich mit dem Michelin Energy Saver+, dem Bridgestone Turanza T001 und dem Conti PremiumContact 5 gleich drei Reifen aus dem Hochpreis Segment mit dem Urteil „zufriedenstellend“ abfinden. Alle drei scheiterten am klassischsten Zielkonflikt im Reifenbau, den auch die raffinierteste Gummimischung nur schwer lösen kann: guter Nassgriff oder geringer Verschleiß. Der Michelin übertreibt in Richtung Verschleiß und Spritverbrauch, während sein Nassgriff unterdurchschnittlich ist. Genau umgekehrt machen es der Bridgestone und der Conti: Die Leistungen auf nasser Fahrbahn sind prima – erkauft durch einen höheren Reifenabrieb. Gut, dass wir – und das ist quasi das Alleinstellungsmerkmal des ADAC Reifentests – jedes Modell dieser Größe in Konvoifahrt über 15 000 Kilometer gefahren haben. Die Profilmessungen decken jede „Strategie“ eines Reifenherstellers auf.
REIFEN, DIE NICHT PLATZEN DÜRFTEN
Eine Spezialität des ADAC Reifentests ist auch der ADAC Schnelllauftest auf einem Trommelprüfstand. Der Versuch überprüft, ob die erlaubte Geschwindigkeit des Reifens (siehe Seite 40) problemlos gefahren werden kann. Allerdings verschärft der ADAC die Bedingungen der geltenden DIN 78051 durch Veränderung des Radsturzes oder des Fülldrucks, um höhere und praxisgerechtere Sicherheitsreserven zu testen. Tatsächlich schafften der
Apollo Alnac und der Federal Formoza zwar die DIN 78051, die ADAC Prüfung jedoch nicht und wurden deshalb abgewertet. Allerdings hat sich der taiwanesische Federal sein „mangelhaft“ im Test durch seine katastrophalen Leistungen auf Nässe ohnehin verdient.
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