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Continental betreibt weltweit erste vollautomatische, wetterunabhängige Reifentestanlage

11/09/13

Mit der Testanlage AIBA (Automated Indoor Braking Analyzer, automatische, wetterunabhängige Bremsanalyse) macht Continental einen deutlichen Fortschritt in der Testtechnologie von Pkw-, Van- sowie 4x4-Sommer- und Winterreifen. Die Anlage auf dem Testgelände Contidrom, unweit von Hannover, ist in eine 300 Meter lange, bis zu 30 Meter breite Halle integriert. In ihr wird ein unbemanntes Testfahrzeug vollautomatisch auf bis zu 120 km/h beschleunigt und dann auf auswechsel-baren Straßenober-flächen mit standardisierten Belägen abgebremst. Dabei sind Tests auf trockener und nasser Fahrbahn möglich. Zusätzlich kann in einer separaten Eishalle mit konventionellen Verfahren getestet werden. Continental kann nun als erster Reifenhersteller ganzjährig und wetter-unabhängig Tests an einem einzigen Standort durchführen. Die Anlage wird im Vollbetrieb eine Kapazität von rund 100.000 Einzelbremsungen jährlich haben. Die Tests werden auf austauschbaren, hydraulisch bewegten Fahrbahnen vorgenommen, die Temperatur in der gesamten Halle wird dabei genau auf die vorgegebenen Werte hin eingestellt.
Weltweit genauestes Verfahren bei Bremstests auf dem Contidrom errichtet
Die AIBA revolutioniert nach der Ansicht von Fachleuten die bisherigen Reifentestverfahren. „Mit der Anlage haben wir im Grunde das weltweit genaueste Verfahren bei Bremstests auf unserer Teststrecke errichtet“, sagt David O‘Donnell, Leiter der Forschung und Entwicklung Pkw-Reifen von Continental. „Wir können die Vorteile der Tests in Laboren mit denen im Freien an Fahrzeugen kombinieren. Damit kann die Reproduzierbarkeit um siebzig Prozent verbessert werden, so dass wir die Entwicklungsfortschritte mit höchster Präzision messen können.“
Bislang waren die Reifentester darauf angewiesen, die Tests bei variierenden Umwelteinflüssen wie Temperatur und Wind auf einer der Witterung ausgesetzten Fahrbahn am Contidrom durchzuführen. Die AIBA ermöglicht nun ganzjährige Reifentest unter vollklimatisierten Prüfbedingungen auf reibwertkonstanten und frei wählbaren Fahrbahn-oberflächen. Die Wagen werden bisher an einer Schiene geführt, die Reifentester müssen dann an einem bestimmten Punkt selbst im ABS-Bereich bremsen. Im Winter waren bisher wegen der niedrigen Temperaturen keine Tests auf dem Contidrom möglich. Neben den schon durch Reaktionszeit und Kraft etwas verzerrten Ergebnissen sind auch die Luft- und Fahrbahntemperaturen immer für eine gewisse Ergebnisstreuung ursächlich. „Diese systembedingte Streuung der Ergebnisse können wir nun ausschließen“, sagt O‘Donnell. „Ein weiterer positiver Effekt ist die deutlich geringere körperliche Belastung unserer Testfahrer und natürlich der mögliche 24-Stundenbetrieb, den wir jetzt ganzjährig unterhalten können.“ Diese deutliche Effizienzsteigerung ist nötig – schließlich werden die Anfragen nach Reifentests immer größer. Der Grund ist die deutliche Diversifizierung, die es seit Jahren im Reifenbereich gibt: Neben den immerhin jeweils vier Pkw-Sommer- und Winterreifen-modellen von Continental verlangen SUV, Transporter und Vans nach Pneus, die abhängig vom Fahrzeug, der Einsatzart und der Einsatzregion her unterschiedlich sind. Dazu kommen die Aufträge aus der Automobilindustrie nach Erstausrüstungsreifen. „Alle diese Modelle zu testen, ist ein erheblicher Aufwand“, erläutert O‘Donnell. „Die Kapazitätserweiterung durch die AIBA ist daher für uns eine sehr willkommene Entlastung. Mit den technischen Möglich-keiten der AIBA können wir im Übrigen auch weitere Entwicklungsfortschritte bei der weiteren Verkürzung der Bremswege ins Auge fassen.“
Bremsen auf einer Länge von zweieinhalb Fußballfeldern
Neben dem technisch höchst komplizierten Inneren ist alleine die Halle der AIBA bemerkens-wert: Mit ihren 300 Metern hat sie die Länge von zweieinhalb Fußballfeldern. Sie verfügt im klimatisierten Teil über bis zu fünf Fahrbahnen, die problemlos hin- und hergeschoben werden können. Die Testfahrzeuge werden mit einem Linearantrieb – wie bei Hightech-Achterbahnen – auf einer Strecke von nur 100 Metern auf bis zu 120 km/h beschleunigt. Die klassischen Bremstests auf trockener Fahrbahn erfolgen aus 100 km/h, der Standard-Bremstest auf Nässe aus 80 km/h. Dabei wird punktgenau mit ABS-Regelung gebremst – je nach gerade eingestellter Fahrbahnoberfläche entweder auf trockener oder nasser Fahrbahn. Dazu kann die Umgebungstemperatur der „Sommerstrecke“ zwischen zehn und 25 Grad Celsius eingestellt werden, in der Eishalle können zwischen minus zehn bis zu minus einem Grad Fahrbahntemperatur und zwischen fünf und 12 Grad Lufttempe-ratur eingestellt werden. Den Bremsversuch zeichnen unterschiedlichste Sensoren am Rad und im Fahrzeug auf. Ein Versuchsdurchlauf benötigt vier Minuten – vom Ausgangspunkt über die Fahrt zum Start, dem Beschleunigen, Bremsen bis zu Stillstand. Theoretisch können so 15 Versuche in der Stunde gefahren werden, 24 Stunden am Tag. „Mit unserer neuen Anlage können wir noch präziser und noch flexibler testen – und das mit mehr als verdoppelter Kapazität“, freut sich O‘Donnell.
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